Ein Blick in die Geschichte des Kuhstorfer Kindergartens

Im Sommer 1956, genauer am 23. Juni, wurde in Kuhstorf ein Erntekindergarten gegründet. Mütter und Väter waren zu der Zeit in der Ernte auf privaten oder genossenschaftlichen Feldern und haben für die lieben Kleinen kaum Zeit. Die Mittagspause wurde zu Hause verbracht, dann kam man wieder zurück und blieb so lange wie nötig. Rosemarie Großkopf, damals noch Senkel, betreute die Kinder über diesen Zeitraum, obwohl sie eigentlich noch Schülerin der Schule für Kindergärtnerinnen in Schwerin war. Am 1. September 1956 wurde aus dem Provisorium dann ein richtiger Kindergarten. Damals wusste Frau Großkopf noch nicht, dass sie die Leitung dieser Einrichtung 36 Jahre haben würde, um Generationen kleiner Kuhstorfer zu betreuen. Erst 1992 ging sie in den wohlverdienten Ruhestand. 

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Das Gebäude des Kindergartens war nicht das heutige, sondern der Stall eines abgebrannten Gebäudes am Pegelsberg. Zwei kleine Gruppenräume mit Stühlen und Tischen und ein Waschraum mit Pumpe und Schüsseln waren das hauptsächliche Inventar. Spielzeug war eher rar. Der Verkauf von Obst und Altstoffen brachte dann etwas Geld, um Spiel- und Beschäftigungsmaterial einzukaufen. Ein Plattenspieler wurde gekauft, auf dem auch private Platten für die Kinder abgespielt wurden. Später kam dann Unterstützung aus Hagenow. Die Abteilung Volksbildung unterstützte mit der Lieferung der nötigen Materialien, außerdem gab es bald eine Ausleihstation für Dias, Filme und Karten, die gut genutzt wurde.

In der Zuarbeit zu diesem Artikel beschreibt Frau Großkopf natürlich noch mehr Details der Ereignisse. So ist unbedingt zu erwähnen, dass insbesondere in der Gründungszeit, eine starke Unterstützung der Elternschaft aus dem Dorf zu spüren war.  Besonders zu erwähnen ist der Einsatz des damaligen Bürgermeisters Karl-Heinz(Teddy) Behrends, der dem Kindergarten sogar Geld vererbte. Ersprach zu Lebzeiten von "seinem Kindergarten". 

 Die Zahl von 44 Kindern spricht für die Annahme des Kindergartens im Dorf und die gute Arbeit der Leiterin und der Beschäftigten. Neben Frau Großkopf arbeitete dort auch Grete Deppisch und im Laufe der Jahre viele andere. Die 32 Quadratmeter und die spärliche Ausstattung reichten bald nicht mehr aus, alles war sehr beengt, die Kinder saßen auf Kisten und Brettern. Trotzdem ging es 1958 einen Schritt weiter. Die Schulspeisung wurde eingeführt, so dass die Kinder hier auch essen konnten, der Mittagsschlaf im Kindergarten stattfand. Ein Essen kostete damals 35 Pfennige, ein viertel Liter Milch 35 Pfennige. Also Ganztagsbetreuung - eine große Entlastung für viele Mütter, die teilweise harte Arbeit auf den Feldern verrichteten. Der Kindergartenplatz war kostenlos. Kinderreiche Familien hatten auch Essen und Milch frei.
 1960 wurde dann endlich ein neuer Kindergarten am heutigen Standort geschaffen. In den Baracken, die den Arbeitern der Suderegulierung als Unterkunft gedient hatten, wurde umgebaut und neu eingerichtet. So entstanden mehr Räume zum Spiel, Schlafen, Waschen, eine Küche und etwas später auch WCs. Ende der sechziger erfolgte der Anbau eines Schlafraumes und 1984 wurde eine großzügige Erweiterung vorgenommen, so dass eine Kinderkrippe eröffnet werden konnte. Nach Frau Großkopfs Amtszeit wurde Petra Linow die Leiterin des Kindergartens, der heute noch erfolgreich arbeitet und mehr als 30 Kinder betreut. Die aktuelle Situation des Kindergartens ist jedoch eine andere Geschichte, die  an gesonderter Stelle erzählt werden soll. 

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Als weitere Förderer sind zu nennen, Schulleiter Willy Möller, Schwester Jenny(Dahl), Fräulein Adolf, Förster Möller. Große Unterstützung gab es auch durch die Kuhstorfer Handwerkerschaft, wie Tischler Hans Bollow, Schmied Heinrich Köster und Fuhrunternehmer Karl-Heinz Schmoldt. Natürlich sind es immer auch die Eltern oder Großeltern der Kinder gewesen, die mit anpackten, wenn Hilfe nötig war. So war es zum Beispiel währen der Bauzeiten selbstverständlich, dass kostenlos gearbeitet wurde. Erst später zahlt die Gemeinde die freiwilligen Helfer, zuerst mit 3, dann sogar 5,-MDN. Das war nicht wenig, verglichen mit dem Lohn auf der LPG. Nach Bürgermeister Behrens, waren es auch Karl-Heinz Barth und Wilfried Bürger, die sich immer wieder für die Verbesserung der Bedingungen einsetzten und viele Mittel der Gemeinde frei gaben. Rosi (Frau Großkopf) betont, dass die Integration unserer Einrichtung in das Dorf, die engen Beziehung zu fast allen Leuten, Betrieben oder  wohl ein Erfolgsrezept waren und sind. Als Lehrer der Absolventen des Kuhstorfer Kindergartens kann ich bestätigen, dass die Kinder sehr gut auf die Schule vorbereitet wurden und werden. Auch bei der Schule in Picher wird die Arbeit hier, hoch geschätzt, auch nach 46 Jahren hat sich das nicht geändert.        
Liebe Leser! Diese kleine Geschichte erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist für Ergänzungen und Korrekturen offen. Sollte Ihnen etwas einfallen oder Falsches auffallen, informieren Sie mich einfach. Interessant wären vielleicht noch die Belegungszahlen der letzten 46 Jahre und die große Anzahl der Belegschaft, die dort tätig war und ist. Frau Großkopf hat mir neben den Informationen freundlicherweise auch einige Bilder zur Verfügung gestellt, die Sie im unteren Teil der Seite betrachten können. Nicht alle sind ohne Qualitätsverlust digitalisiert worden, einige sind sehr klein. Vielleicht erkennen Sie ja dennoch den einen oder die andere wieder. So wie ich zum Beispiel J. Gebert, J. Linow, S. Noetzel, I. Isbarn, M. Bürger und noch einige andere erkannt habe. Für weitere aussagekräftige Bilder aus Ihren Alben wäre ich sehr dankbar. Bringen Sie sie mir zum Scannen oder schicken Sie sie einfach per e-mail.

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Hier ein kleiner unsortierter Überblick über einen Teil der Belegschaft, der mir eingefallen ist.
Rosemarie Großkopf
Grete Deppisch
Selma Jenß
Rosemarie Brandt
Inge Jahnke (Picher)
Waltraud Tombrock
Frau Schleiff
Petra Linow
Kerstin Schmidt
Frau Gebert
Frau Laabs
Frau Wegner
Karin Graack
Heinrich Fischer (Hausmeister)
Frau Stampehl
Sigrid Bülow
Brigitte Walden
Ines Neumann
Grit Steinführer
Karin Kayser  und viele mehr

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Ein Wort zu den Bildern
Es würde mich freuen, wenn Sie sich auf den Bildern wieder erkennen. Einige habe ich natürlich erkannt, denn viele haben sich kaum verändert und leben noch heute in unserem schönen Dorf. Schreiben Sie mir, wenn Sie jemanden erkennen. Die blau gerahmten Bilder können Sie durch anklicken vergrößern.

 Ein Ort mit anziehender Wirkung
Meine Kindergartengeschichte geht von 1964 bis 1967. Fast immer bin ich gern hin gegangen. Nur manchmal mochte ich das Essen nicht oder die Erzieherinnen waren zu streng. Das Essen war eigentlich immer okay, besonders beliebt waren die Hefeklöße. Aber meine bestehende Abneigung gegen Grießpudding und Rote Grütze stammt aus der Zeit im Kindergarten. Den letzten Tag vor der Entlassung werde ich nicht vergessen. Ich hatte zu Hause einen Fahrraddynamo zerlegt und die so gewonnenen Magnete mitgenommen - zum Spielen oder zum Angeben. Irgendwie hatte ich jedenfalls eins im Mund, das ich auch prompt verschluckte. Zuerst hab ich ja nichts gesagt, aber dann wurde mir doch mulmig. Was für ein Theater. Auf den Kopf gestellt, mit Flüssigkeit getränkt und selbst mit Schwester Jennys Hilfe war nichts raus zu holen. Also Mutter Bescheid gesagt. Ab zu Doktor Günther und dann zum Röntgen ins Krankenhaus. Wahrscheinlich liegt das Röntgenbild mit Magnet in meinem Bauch, noch irgendwo in meiner Krankenakte. Der Magnet ist allerdings nicht mehr in meinem Bauch.
Er fand selbst raus. (mitiku 10.4.2002)                    
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